Erfahrungsbericht Michaela Poppendörfer

Erfahrunsbericht von Physio Michaela

Ein Stück meines Herzens wird für immer in Andara bleiben

Mit grossem Respekt und auch etwas ängstlich ging es mit meinem Rucksack für vier Wochen zu Mudiro in Andara. Am Flughafen in Katima Mulilo holte mich Herman mit dem Jeep ab und auf dem Weg wurde mir klar, dass ich jetzt in Afrika angekommen war. Geparden umwarben sich ungeniert am Wegesrand. Ziegen, Rinder und so allerlei Vogelgetier begleiteten uns auf der einzigen Strasse nach Andara. Doch das eigentlich bewegende waren die Menschen. Die Kinder spielten miteinander und winkten uns mit einem herzerwärmenden Lächeln zu.

Nach einem herzlichen Willkommen im Mudiro-Camp und einer heissen Nacht unter meinem Moskitonetz, wurde ich am Morgen von einem Hahn und den singenden Kindern auf dem Weg zur Schule geweckt. Die ersten Tage in der Klinik waren sehr ergreifend und liessen mich doch sehr zweifeln, denn ich kam sehr schnell an meine körperlichen und psychischen Grenzen. Aufgrund der Vorbereitung meiner Kolleginnen und Kollegen und der umsichtigen Hilfe von Diyeve, einem Pfleger und Übersetzer vor Ort, konnte ich mich dann schnell in den Klinikalltag integrieren. Wir hatten gemeinsam Patientinnen und Patienten zur Physiotherapie einbestellt, die Klinikstationen unterstützt und mit Hilfsmitteln versorgt. Auch wenn die Möglichkeiten begrenzt waren, haben wir täglich versucht, die Situation für einzelne Patientinnen und Patienten zu verbessern. 

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Diese Erfolge haben mir mehr und mehr Kraft gegeben. Durch kreative Ideen konnten wir mit wenig Hilfsmitteln relativ viel möglich machen, denn die Patientinnen und Patienten nahmen jegliche Unterstützung gerne an und forderten immer wieder „more excercises, please“, was mich sehr berührte. 

Die Dankbarkeit, das Vertrauen und die Geduld, die uns entgegengebracht wurde, war unbeschreiblich. So kam eine Familie mit ihrem 8-jährigen Sohn nach den ersten Behandlungen im Outback zu uns in die Klinik gelaufen, um weitere Übungen zu erlernen. Die Eltern beobachteten alles sehr genau und konnten viele der Übungen unmittelbar nachvollziehen und umsetzen, was das Leben des Jungen und damit das der Familie sehr verbesserte.

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Vor allem die Zeit mit der mobilen Klinik war etwas Besonderes: Am Lagerfeuer kamen wir uns bei Gesprächen immer näher und genossen die Einfachheit des Gebens und Nehmens in unserem Team. Jeder brachte sein Wissen und seine Erfahrungen ein, man konnte aber auch über die manchmal unvorstellbaren Leiden, die wir bei unseren Patienten erleben mussten, reden. Diese Gespräche waren auch ein festes Ritual im Camp, wo wir fünf Frauen, aus den verschiedensten Bereichen, einander halfen und viel miteinander lachten. Im Team war immer Zeit für eine Umarmung zum richtigen Zeitpunkt, stärkende und ermutigende Worte und ein leckeres gemeinsames Abendessen. Die Betreuung durch Innocentia, Franziska und Maria während meines Aufenthaltes habe ich sehr genossen. Sie waren immer für uns da, um uns den Alltag zu erleichtern. 

Mit dem Aufenthalt bei Mudiro habe ich mir einen Herzenswunsch erfüllt. Die Zeit, die ich dort verbringen durfte, war sehr bereichernd und ich kann nicht ausdrücken, wie dankbar ich Barbara und ihrem Team für diese Erfahrungen bin. Ein Projekt, für das es sich lohnt zu „brennen“. 

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— Michaela Poppendörfer, Physiotherapeutin