Erfahrungsbericht Dr. Christoph König

Erfahrungsbericht Dr. Christoph König

Halali Himba (Mudiro)

Dies ist ein weiterer Aufenthaltsbericht von Christoph König in Botswana und Namibia (Andara)
Jan 2025

«We put him ( the patient ) on Paracetamol and Antibiotic « 
Es wird sicher wieder spannend und ich freue mich sehr als schon fast alter Mudiro Crack im wahrsten Sinne des Wortes wieder einen Einsatz mit dem Mudiro Team zu leisten.

Die Reise führt mich wieder über Adis Abeba und diesmal aber nach Maun Botswana. Herzlich werde ich wieder von Barbara empfangen. Sie hat 450 widerliche km hinter sich (siehe später). Unsere Mission in Maun startet bei Michela und Christian Kruck. Sie sind Inhaber der Okovango Air Rescue und betreiben ein eigenes Spital in Maun.
Wir sind herzlich eingeladen bei ihnen zu logieren. Das « Haus» ist wunderschön, etwa wie «out of Afrika» mit Pool und einem privaten Wildpark mit Giraffen Kudus, Impalas, Zebras und mehr. In einem kleinen See tummeln sich wunderschöne Vögel: Agyptian Geese und viele andere.
 
Chrigel ist ein wunderbarer Koch. Die Diskussionen mit Chrigel sind unheimlich spannend, v a wie geht es weiter mit Schwarzen und Weissen in Afrika. Er ist nicht sehr optimistisch für die Zukunft als Weisser in Afrika. Eigentlich schade. Sind wir als Weisse noch willkommen, ist die Frage. Einmal mehr meine Polemik: Entwicklunghilfe in Form von Geld ohne zu kontrollieren ist falsch und versandet im nicht kontrollierbaren Korruptionssumpf. Darüber gibt es in letzter Zeit viele Bücher zu lesen. Fördergelder vom jeweiligen Staat in deren Höhe vorgeschrieben, sind Gift für Afrika v.a. wenn niemand die Übersicht hat und niemand kontrolliert. Es ist ein grosser Unterschied zwischen einfach bezahlen und medizinischer Hilfeleistung.
 
Das Motto muss heissen: fördern kontrollieren und fordern. So bin ich auch der grosse Befürworter von Kleinkrediten, welche zurückbezahlt werden müssen. Statistiken zeigen, dass Kleinkredite an Frauen zu fast 90% zurückbezahlt werden, von Männern etwas weniger, gelinde gesagt. Wenn ich nun unsere Mudiro Tätigkeit betrachte, habe ich das Gefühl, dass wir sehr geschätzt sind und v.a. als sehr grossartige Hilfe wahrgenommen werden. Das tröstet mich, gibt mir Mut und Antrieb das Feuer von Mudiro am Lodern zu halten, Barbara sei Dank.
Im Spital in Maun findet schon am Sonntag meine Ultraschall Fortbildung statt. Es wird geschult und diskutiert. Brust Ultraschall und Schwangeren Ultraschall sind das Thema. Die Mitarbeiter und Micha sind sehr motiviert und lernen viel, das ist auch das Ziel und ich bin mit dem Resultat sehr zufrieden. Fast leider geht es weiter nach Andara. Wir haben 450 km vor uns. Es regnet in Strömen. Von Strassen ist keine Rede mehr, wir schwimmen teilweise förmlich durch die Landschaft. Barbara ist eine super Fahrerin und kann fast jedes Pol Hole umfahren, wenn sie nicht am Schwatzen, am Singen oder am Telefonieren ist.
Gegen Abend erreichen wir Andara, alles ist saftig grün, Benny, Jessie, Herman und die Gänse erwarten uns. Es fängt Leben B an. Es wird wieder viel Arbeit geben mit vielen schönen und unschönen Überraschungen. Der Start im Spital fällt mir einfach, ich kenne alles und fast alle. Ich bin hocherfreut, wie herzlich ich als Dr. Chris empfangen werde, das tut sehr gut und motiviert. Ich spüre, dass wir geschätzt und auch -noch- erwünscht sind. Der neue «Spitaldirektor» war einst ein Schüler von mir, ein hochmotivierter, herzlicher und lieber, fast zu lieber Mensch.

Schon kommt der erste ernsthafte Zwischenfall zu dessen Lösung ich gerufen werde. Eine Frau verblutet beinahe nach der Geburt. Es ist ein Muttermundsriss nach einer Geburt, Problem erkennen,Problem lösen, sie überlebt auch Gott sei Dank… wie immer.

Es folgt die Ankunft von Frau Dr. Ursina Begre. Sie ist 2 Jahre nach dem medizinischen Staatsexamen auf dem Weg, Internistin zu werden. Sie ist Bernerin und ich kenne sie seit sie 16 jährig ist. Ursina ist wie im Jahre 2019 Claudia Meloni eine brillante Ärztin. Sie geht den Problemen auf den Grund und bringt den Ärzten bei, dass mit einer fundierten Anamnese Probleme erkannt werden können. Das Lösen der Probleme ist aber ein… grosses Problem.
Medizin in unseren Breitengraden und Medizin in Afrika ist wie Tag und Nacht. Vor allem fehlt es an diagnostischen Tools. In Andara gibt es zwar ein endlich funktionierendes neues Röntgen Gerät. Die Übermittlung der Bilder können sie mit einem genialen Tool auf ihrem I-Phone abrufen und interpretieren. Ich staune, wie gut die Ärzte in der Diagnostik sind. Der Norden von Namibia hat die grösste Bevölkerungsdichte von Namibia. Das Einzugsgebiet umfasst etwa zweihundertsechzigtausend Einwohner. In Rundu gibt es ein grosses Spital, leider ist das Computertomogramm seit Monaten kaputt und es können keine Untersuchungen durchgeführt werden. So fehlt ein ganz wichtiges diagnostisches Tool, welches uns sehr weiterhelfen würde.

Medikamente: Die Spitäler und die med. Stützpunkte von denen es viele gibt sind nach Grösse klassifiziert. So werden Medikamente in der Art und der Menge je nach Art Spitalgrösse limitiert. Das ist wahrscheinlich gut so, nur sind leider viele, zu viele Medikamente «out of stock» und das über Monate. Dies macht die Behandlungen mit adäquaten Medikamenten schwierig und schränkt die nötige Therapie sehr ein. Dazu kommt die Menge von Patienten, welche oft fast nicht zu bewältigen ist. Medizin unter Zeitdruck ist schwierig und nicht zuletzt auch gefährlich. Wir alle geben Alles und tun unser Bestes.

Der Titel meiner Ausführungen « I put him on Paracetamol und Antibiotics» ist leider allzu oft wahr und Realität. Malaria, HIV und Tuberkulose v.a. Jugend Tuberkulose sind Saison bedingt ziemlich am Steigen. Diese Patienten werden aber super und adäquat mit den nötigen Medikamenten versorgt. Bravo!

Die Arbeitstage sind lang und fordernd. Ich bin v.a. im Ultraschall Teaching tätig. In der Geburtshilfe ist es wichtig die genaue Schwangerschaftsdauer zu wissen. Ich muss viele errechnete Geburtsdaten korrigieren, da die Frauen nicht mehr wissen, wann ihre letzte Periode war. Die sprachlichen Barrieren erleichtern das Ganze nicht. Anzahl Kinder, Kindslage, etwelche Missbildungen, Plazentalage, Fruchtwassermenge, termingerechtes Wachstum der Kinder und ob ein Kind überhaupt noch lebt, sind meine Fortbildungsthemen.

Wir schallen manchmal an einem Tag über 40 schwangere Frauen! Ich glaube, dass wir seit der Einführung des Ultraschalls die Kinder- und Muttersterblichkeit in Andara um Prozente und nicht Promille gesenkt haben. Dies ist ein schöner und wertvoller Erfolg. Wenn ich auf meine fast 10 Jahre in Namibia zurückschaue, hat das Spital in jeder Hinsicht enorme Fortschritte gemacht. Mudiro sei Dank.

Ursina meistert ihre Aufgabe den Umständen entsprechend blendend, auch wenn es manchmal frustrierend und mühsam ist. Von – unter die Fittiche nehmen – keine Spur, im Gegenteil sie bildet auch mich langsam zu einem Internisten aus und ich lerne viel von ihr.
Uiuiui auf dem Notfall liegt ein Mann, welcher an beiden Beinen von einem Nilpferd gebissen wurde. Nilpferde sind die Tiere in Namibia, welche am meisten Todesfälle durch Tiere verursachen. Die Wunden sehen wüst aus. Ich bin sofort zur Stelle, um zu helfen, halt auch aus «Gwunder» solche Fälle sind ja eher selten bei uns. Nilpferdbisse sind zwar nicht mein Spezialgebiet, aber wir können den Mann retten und er überlebt. Gleich danach kommt eine Frau auf den Notfall mit einer Pilzvergiftung. Ihr Zustand ist miserabel, den Pilz hat sie zum Glück mitgebracht. Bei Pilzvergiftungen  kann ich aus eigener Erfahrung schon besser mithalten. Von oben durchputzen, von unten geht es von selbst. Auch sie überlebt.  Bei Schlangenbissen bin ich mittlerweile Experte,  sie kommen aber im Moment selten vor, obwohl wir im Garten auf einem Baum eine tödlich giftige Boomslang erspäht haben.

Nun geht es ab ins Wochenende nach einer happig anstrengenden Woche. Das Ziel heiss Divava Lodge. Wir erholen uns gut für die nächste Woche. Ein Game Drive mit vielen wilden Tieren ist ein Höhepunkt. Ursina sieht zum ersten Mal ein Zebra, eine Giraffe und vieles mehr.

In der kommenden Woche geht es mit der Mobile Klinik wieder tief in den Busch. Für mich nichts Neues, für Ursina schon. Wir werden wieder mit einer anderen Art Medizin konfrontiert, noch primitiver, noch schwieriger. Während ich mit Barbara Muttermundkrebs Screening mache, schlägt sich Ursina mit vielen, vielen Patientinnen mit schwierigen Diagnosen herum.
Die Arbeit ist anstrengend und Kräfte konsumierend. Auch hier fehlen diagnostische Tools und halt auch viele Medikamente , verständlich. Trotz allem ist unsere Aufgabe befriedigend und schön. Schön sind v.a. auch die Gespräche am abendlichen Feuer. Geschlafen wird in Zelten gut bewacht von Benny und Jessie. Was für ein Sternenhimmel, Afrika ist schön.

Die letzte Woche ist schon fast Routine. Ursina gibt sich die grösste Mühe schwierige Fälle doch noch zu diagnostizieren und recherchiert und recherchiert und wird manchmal auch noch fündig. Wir wechseln täglich die Verbände unseres Hippo-Biss-Mannes, es sieht gut aus. Wer weiss, wie es weiter geht.

Es bleibt noch ein Wochenende an meinem Lieblingsort. Mahangu Lodge. Wir tanken noch einmal Sonne und Kräfte und diskutieren. Begleitet werden wir von Mischa einem sehr sympathischen Mann für alle Fälle im Allrounderbereich für Mudiro.

Leider endet mein Aufenthalt schon wieder. Uns steht eine Strecke zum Flugplatz in Maun Botswana von 450 Kilometern bevor! Barbarba ist so lieb und bringt mich, merci vielmal. Der Weg führt zuerst etwa 30 km durch einen Park.

Eine schwarze Wand auf der Sandpiste versperrt uns den Weg. Mehr als 100 Wasserbüffel überqueren die Strasse, was für ein seltener Anblick. Kurz darauf Elefanten und noch Giraffen und das auf dem Weg zu Flugplatz. Fahren wir mal von Genf nach Konstanz, da gibt es zwar auch einige Affen und Büffel, aber halt anders.

In Maun am Flugplatz treffen wir noch einmal unsere Freunde Mischa und Christian. Das ist ein schöner Abschied. 30 Stunden Reise habe ich vor mir und habe Zeit mir viele Gedanken zu machen. Andara und mit der Mobile Clinic geht es gut wir haben enorme Fortschritte gemacht. Vor Deinem Projekt liebe Barbara Chapeau, Du/Wir sind auf dem richtigen Weg. Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man etwas Schönes bauen und steter Tropfen höhlt den Stein. Wer einmal vom Wasser des Okowango getrunken hat, kehrt immer wieder zurück. Merci für alles. Für mich sind diese Aufenthalte eine grosse Bereicherung in meinem Leben. Ich habe das Gefühl, dass die Menschen zumindest im Okovango glücklicher sind als wir zurzeit in Europa, mir geht es jedenfalls so. Herzlich Chrigu

Wir halten das Feuer von Mudiro am Leben und bleiben demütig, dankbar und optimistisch!

Wir sind klein in der Natur!

HALALI HIMBA

Dr. Chrigu König